Vergesst sie bitte nicht schon wieder!

 

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Sie waren Kinder, als der Zweite Weltkrieg ihnen ihre Väter und Mütter nahmen. Ihre Geschwister. Ihre Omas und Opas. Ihre Verwandten. Ihre Freunde. Und vielen nicht zuletzt die Heimat.

Traumatisiert und  vergessen

„Sei still und sei dankbar dafür, dass du überlebt hast!“ Die Kinder von damals durften nicht weinen. Nicht jammern. Nicht klagen. Sie mussten Deutschland wieder aufbauen. Keine Zeit zum Trauern. Keine Zeit, die eigenen schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. Und so geriet in Vergessenheit, dass 1/3 von ihnen Entbehrungen und schwere Verluste erlitten. 1/3 wurde schwer traumatisiert und 1/3 wiederum wurden selbst  Opfer massivster Gewalt und Zeugen von Greultaten, die unser aller Vorstellungsvermögen übersteigt.

Meine Mutter zum Beispiel. Meine Mutter ist am 19. Januar 1945 im Alter von 5 Jahren von Ostpreußen über das Kurische Haff geflohen. Minus 20 Grad. Auch wenn meine Mutter sich nicht erinnert, so hat sie vermutlich hunderte, wenn nicht tausende Tote gesehen. Erfrorene Kinder und alte Menschen links und rechts am Wegesrand. Liegengelassen wie Müll. Kein christliches Begräbnis.
Oder mein Vater: als 2 jähriger musste er das ausgebomte Düsseldorf verlassen. Sein Vater – mein Opa – wurde im Winter 1944 erschossen. Er durfte ihn nie (wirklich) kennenlernen.

Als der Krieg vorbei war, mussten alle nach vorne schauen. Und so wurde durch den Wiederaufbau schlicht weg vergessen, dass es eine ganze Generation von Kindern gab, die schwer traumatisiert ihr Leben meistern musste. Die Kölner Journalistin Sabine Bode hat das Leid dieser Kinder offen gelegt. Ihr Buch „Die vergessene Generation“ wurde weltweit zum Bestseller. Zu Recht.

Die Kinder von damals, das sind die Alten von heute

Die Kinder von damals, das sind die Alten von heute. Das sind diejenigen, die jetzt am meisten von Corona bedroht sind und an diesem Virus sterben. Ein furchtbarer Start ins Leben und jetzt ein qualvolles Ende! In Italien dürfen sie inzwischen nicht einmal mehr Abschied von ihren Lieben nehmen. Das macht mich wütend. Das mich maßlos traurig. Und das macht mich einfach nur hilflos! Wir alle können dazu beitragen, dass es nicht schon wieder passiert. Dass sie nicht wieder vergessen werden. Bitte haltet Euch ALLE an die Regeln und Versammlungsverbote. Unsere Eltern und Eure Großeltern sollen noch ein schönes Leben haben. Und wenn sie sterben, dann haben sie ein würdevolles Ende verdient. Sie alle sollen sich noch lange an ihren Enkeln und Ur-Enkeln erfreuen. Das haben sie einfach nach so einem beschissenen Start ins Leben verdient!

Ihr seid für ihren Tod zumindest mit verantwortlich!

Meine persönliche Meinung: Jeder einzelne da draußen (egal welches Alter), der sich über Warnungen und Verbote hinwegsetzt und sich damit leichtfertig einer Ansteckung mit Corona aussetzt, soll das Buch „Die vergessene Generation“ lesen. Damit er weiß, dass er zwar nicht für die Kindheit dieser Generation während und nach des 2. Weltkrieges verantwortlich ist. Definitiv aber eine Mitverantwortung für die Weitergabe des todbringenden Virus heute hat, wenn er sich wissentlich nicht an die Verbote und Empfehlungen hält.

Stay save!  Eure Tanja

PS – Postskriptum

Willst du sterben? Nur weil sich irgendjemand nicht an eine Regel, an ein Verbot halten möchte?

Denk’ mal drüber nach …