Trinkst du lieber Tee oder Kaffee?

Wie du aus ungeliebten Gewohnheiten genussvolle machst.

 

Lesedauer: 6 Minuten
Nutzen: kluge Impulse, wie dir das Ablegen einer ungeliebten Gewohnheit gelingen kann

 

Trinkst du lieber Tee oder Kaffee?

„ … Wenn du mir in meiner Expertenrolle als Psychologin eine einzige Frage stellen dürftest, wie würde diese dann lauten? …“ Zuerst musste ich schmunzeln, als ich auf meinen Facebook-Aufruf diese Frage gestellt bekommen habe: „Tanja: Trinkst du lieber Tee oder Kaffee?“.

Mein erster Gedanke: „Warum stellst du mir diese simple Frage? Ist das soooo spannend, ob ich Tee oder Kaffee trinke? Findest du meinen Facebook-Aufruf doof?“ Mein zweiter Gedanke: „Was trink ich denn tatsächlich lieber? Tee oder Kaffee? Und wie hat sich das denn eigentlich entwickelt?“

Tee oder Kaffee. Ich trinke beides sehr, sehr gern.

Aber: es muss immer stil- und genussvoll sein. Früher habe ich gefühlte 20 Tassen Kaffee am Tag getrunken. Meist war er bitter und schon ziemlich lauwarm. Wenn nicht sogar kalt. Ich denke da an die vielen Betriebsratsgremien, die ich zu der Anfangszeit meiner beruflichen Karriere als Coach begleitet habe. Dort gab’s immer Kaffee. Wirklich gut war keiner. Aber heute hat sich das bei denen sicherlich auch geändert. Schlechten Kaffee will nämlich kein Mensch mehr trinken.

Und genau das habe ich vor vielen Jahren für mich entschieden: ICH möchte Kaffee und auch Tee nur noch mit absolutem Genuss trinken. Niemals mehr im „Nebenbei“. Niemals mehr im „To-Go!“ Und schlechten Kaffee oder Tee erst recht nicht.

Der Duft frisch gemahlener Bohnen ist für mich wie Stehblues tanzen.

Ich liebe frisch gemahlene Bohnen. Ich kann einfach nicht anders. Wann immer ich kann, atme ich mit vollen Zügen und allen Sinnen diesen ganz besonderen Duft ein. Das schenkt mir jedes Mal ein Lächeln auf mein Gesicht und lässt meine Lungenflügel, mein Geist und meine Seele Stehblues tanzen. Lifestyle. Dieser Duft bedeutet für mich Lifestyle pur.

Allerdings dürfen meine Bohnen niemals in einen Vollautomaten hinein. Ich habe mir eine sehr gute Mühle gegönnt und mahle die Bohnen direkt vor jedem Tässchen frisch. Wobei es bei mir ja genau genommen Espresso-Bohnen sind. Speziell geröstet. Meine Freunde wissen: Wenn wir der Tanja etwas Gutes tun wollen, dann bringen wir ihr eine besondere Mischung aus Espresso-Bohnen mit. Zum Probieren. Zum Genießen. Zum sich selbst lieb zu haben. Um Stehblues mit sich selbst zu tanzen.

Wie „Ekel“ mir eine Veränderung geschenkt hat…

Wie gesagt, früher hatte ich ein furchtbares Trinkverhalten in Sachen Tee und Kaffee. Irgendwann mal habe ich mich echt geekelt. Vor der kalten Tasse. Und vor dem bitteren Geschmack. Und auch vor mir, weil ich dieses Gesöff auch noch getrunken habe. Aber genau das war der Veränderungs-IMPULS, den ich gebraucht habe, um mein Verhalten, meine Trink-Gewohnheit, auch tatsächlich zu ändern. Und zwar radikal. Von heute auf morgen.

Es gibt Coaches, die sagen, dass es im Schnitt 50 Impulse braucht, bis du dein Verhalten änderst. Keine Ahnung, ob diese Zahl stimmt. Ich habe bei meinen Recherchen zu meinem Buch nirgends eine Untersuchung gefunden, die diese Zahl belegen würde. Ich persönlich glaube allerdings fest daran, dass es nicht 50, sondern den einen einzigen richtigen IMPULS braucht, damit wir uns verändern. Das Problem: dieser Impuls kommt i.d.R. nicht in Form eines Ritters in herrschaftlicher Rüstung auf weißem Ross daher. Du musst dich in den meisten Fällen aktiv auf die Suche nach dem einen einzigen richtigen Impuls machen. Ich hatte mir früher immer wieder vorgenommen, keinen schlechten Kaffee mehr zu trinken. Erst der Ekel-Anfall hat mich dazu gebracht, mir eine neue Gewohnheit zuzulegen.

66 Tage für eine neue Gewohnheit

 

Tanja Koehler Blog Psychologie Veraenderung 2020-02-21 Tee oder Kaffee FBIn meinem Buch berichte ich von der Psychologin Philippa Lally vom University College in London. Sie wollte herausfinden, wie lange Menschen brauchen, um alte Gewohnheiten abzulegen und neue zuzulegen. Ihre Antwort: im Schnitt braucht es 66 Tage.

In einem Experiment ließ sie sich die Teilnehmer eine neue Gewohnheit aneignen. Zum Beispiel anstatt nach der Arbeit direkt auf das Sofa, einen 15-minütigen Spaziergang. Oder eine Mohrrübe anstelle des berühmten Knickers aus der „Halb-Zehn-in-Deutschland-Werbung“. Die Teilnehmer mussten in einem Tagebuch lediglich zwei Fragen beantworten:

(1) Wie schwer fiel es dir? Und

(2) Wie sehr musstest du dir noch das neue Verhalten bewusst machen (im Sinne von „dir einen Erinnerungsanker“ schaffen)?

Das Ergebnis: um sich aus der Umklammerung des Vertrauten zu lösen, braucht es im Schnitt 66 Tage. Dann denkt man nicht mehr an das neue Verhalten, sondern macht es automatisch. Und es fällt einem auch nicht mehr schwer. Routinen unterstützen diese Veränderung. Sprich: immer das gleiche Ritual wie z.B. gleiche Uhrzeit, gleicher Ort, etc. Wichtig zu wissen: es geht hier um die Veränderung ‚einfacher‘ Gewohnheiten, nicht um die Veränderung komplexer Lebenslagen. Da braucht es dann dch mehr.

Morgens in Tanjas Küche

Jeden Morgen führt mich mein erster Weg in die Küche. Übrigens: deutlich früher als 1/2-Zehn… Ich schalte meine Kaffeemaschine an und setze zeitgleich frisches Teewasser auf. Während ich es mir dann schön und gemütlich mache und meine erste genussvolle Morgentasse mit herrlich duftendem Cappuccino trinke, zieht mein Brennnessel-Tee für 10 Minuten. Jeden Morgen. Ohne Ausnahme. Selbst im Urlaub. Am Anfang habe ich einen Erinnerungsanker für meinen Brennnessel-Tee gebraucht. Das war ein Notizzettel, den ich am Abend zuvor geschrieben habe. Seit vielen Jahren brauche ich diesen Zettel nicht mehr. Ich habe die neue Routine verinnerlicht. Ein gesunder Automatismus ist entstanden. Ich habe zwar nicht mitgezählt. Aber die Zahl 66 könnte gut hinkommen.

Vielleicht fragst du dich ja, warum ich ausgerechnet mit Brennnessel-Tee in den Tag starte. Ganz einfach: ich unterstütze meinen Körper in der Entwässerung. Der richtige Veränderungs-IMPULS kam durch schmerzhafte Wassereinlagerungen. Seit dem ich täglich Brennnessel-Tee trinke (und zusätzlich am Abend meinen Lymphen eine aktivierende Beachtung schenke), habe ich das Problem nicht wirklich mehr. Die zwei neuen Gewohnheiten (guter, genussvoller Kaffee und Brennnessel-Tee) haben sich gut zu einem gemeinsamen Ritual zusammenlegen lassen. Wenn du selbst etwas ändern willst, dann schau‘, welche Routinen schon gut funktionieren und docke dort (wenn sinnvoll und möglich) die neue an.

Tanja: Trinkst du lieber Tee oder Kaffee?

Ich trinke beides gern. Immer genussvoll. Niemals zwischendurch. Immer eingebunden in Rituale, die mir Freude machen und Kraft schenken. DANKE, lieber Facebook-Freund für diese wunderschöne Frage!

PS – Postskriptum

Und welche Gewohnheit möchtest du gerne ändern? Wie sieht die neue Gewohnheit aus? An welche Rituale könntest du sie andocken? Und welche Erinnerungsanker schaffst du dir für die ersten 66 Tage?

Denk‘ mal drüber nach ….